Fernsehzeit (DEUTSCH)

Früher, das ist sicher, war alles ganz anders. Wenn früher der Abend kam, wennes dunkel wurde, wenn man seine Arbeit hinter sich hatte und nach Hause kam, war man da nicht ein freier Mensch? Was hat man früher nicht alles gemacht am
Feierabend!
Man ging ins Kino, man besuchte Freunde oder saß irgendwo herum. Oderman hat zu Hause in Ruhe gegessen, geredet, Karten gespielt oder diskutiert. Ich will nur sagen, früher war man so zwischen sieben und zehn Uhr abends glücklich
dran. Man war wie ein Kind, das spielen gehen darf.
Früher riefen die Freunde abends einfach an — nach dem Abendessen: „Hallo, wie geht's?" und „Was macht ihr denn heute abend?" oder „Regnet's bei euch auch so?" — „Wollt ihr denn nicht noch ein wenig rüberkommen?" Nur so. Das
war einmal.
Heute haben sich alle Anrufe der Freunde auf eine präzise Zeit eingependelt. Sie beginnt um 18 Uhr und endet kurz vor acht. Dann ist nichts mehr, Schweigen, große Pause.
Probleme, die eben noch wichtig waren, scheinen nun unwichtig. Man spürt die Unruhe und Nervosität auf der anderen Seite. Ja, es wirkt beinahe unfreundlich,
wenn der andere sagt: „Entschuldige bitte, ich muß jetzt aufhören, leider, auf Wiederhören — danke!" Jetzt kommen die Nachrichten.
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